Beaver Dam Analogs
Klimawandelanpassung, Dürreprävention & Biodiversität entlang der Urfahraner Bäche
(gefördert durch den Klimafonds der Stadt Linz)


Blaue Infrastruktur und Gewässerökosysteme sind von zunehmender Hitzebelastung, Extremwetterereignissen sowie Lebensraumverlust besonders betroffen und bedürfen schnell umzusetzender und adaptierbarer, kosteneffizienter Maßnahmen für dezentralen Wasserrückhalt und andere naturbasierte Lösungen für den Erhalt und die Verbesserung von Biodiversität und Wasserhaushalt.

Insbesondere städtische Gewässersysteme stehen unter einem enormen Nutzungsdruck durch Menschen: Nahezu alle Flüsse und Bäche in Stadtgebieten sind massiv verbaut, meist kanalisiert oder gar unterirdisch geführt, um Hochwassergefahren möglichst hintanzuhalten. Dazu kommen vielfältige weitere Nutzungsansprüche, häufig mangelnde Beschattung, Einleitung zahlreicher Entwässerungen von Verkehrsanlagen, Erwärmung (nicht zuletzt durch alle möglichen Arten von Einleitungen), Vermüllung, Besiedelung durch Neophyten und Neozoen und zahlreiche andere negative Einwirkungen.

Intakte urbane Gewässer und ihre Ökosysteme haben wiederum sehr positive Auswirkungen für die Menschen in der Stadt, etwa auf kleinklimatischer Ebene: Die temperaturausgleichende Wirkung, gepaart mit der Funktion als Frischluftkorridor, machen sie zu beliebten Naherholungsgebieten.
Ebenso fungieren die Gewässerkorridore nicht nur als Lebensraum für gewässergebundene Organismen, sondern auch als Wander- und Ausbreitungskorridore für terrestrische Lebewesen.

Am Urfahraner Sammelgerinne in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz werden in einem künstlich geschaffenen „Sammelkanal“ (fast) alle aus dem Mühlviertel zuströmenden Bäche zusammengefasst und parallel zur Donau zum Kraftwerk Abwinden–Asten abgeleitet. Dieser ursprünglich mit Steinmaterial glatt ausgelegte Kanal wurde im Jahr 2008 durch Entfernung der meisten Wasserbausteine und das Einbringen von Strukturen in ein naturnahes Gewässer umgebaut. In den Folgejahren siedelten sich Biber an und schnell zeigte sich, dass dies trotz der beengten Lage zwischen menschlicher Infrastruktur zu einer äußerst heterogenen Habitatausstattung, vermehrtem Wasserrückhalt und Refugialhabitaten während Dürreperioden und in der Folge zu einer höheren Biodiversität führte. So konnten hier im Laufe der letzten Jahre unzählige zum Teil vom Aussterben bedrohte Arten nachgewiesen werden – von Würfelnattern, Schling- und Äskulapnattern über Bachneunaugen, Große Feuerfalter, Esparsetten-Widderchen, Trauerspinner und Kleinen Zangenlibellen bis zu Fischotter, Mauswiesel oder Eisvogel.



Um diese positiven Effekte auch hinsichtlich der gegebenen, latenten Austrocknungsgefahr in Bereichen ohne Biberdämme zu erhalten und noch weiter zu verstärken, wurden als Teil des ebenso vom Klimafonds geförderten Pilotprojekts „Naturbasierte Revitalisierung & Klimawandelanpassung am Urfahraner Sammelgerinne“ (siehe USG 24/25) Beaver Dam Analogs (BDAs) erprobt.
Hierbei handelt es sich um die menschliche Nachahmung von Biberdämmen – händisch, ausschließlich mit Materialien vor Ort und in einer Weise konstruiert, dass sie bei größeren Starkregenereignissen und Hochwasser schichtweise abgetragen werden und keinerlei Abflusshindernisse darstellen. Strömungslenkung und Fehlbarkeit erscheinen gut planbar und BDAs können auch Lenkungsfunktionen erfüllen und als Konfliktpräventionsmaßnahme dienen: 80% der 12 Strukturen und Standorte wurden von Bibern übernommen.

Diese kosteneffizienten, schnell umsetzbaren Maßnahmen werden 2026 auch an den Zuflüssen des Urfahraner Sammelgerinnes (Diesenleitenbach, Höllmühlbach und Haselbach) eingesetzt und adaptiert, um die Gewässer vor Austrocknung während zunehmender Dürrephasen zu schützen. Im September 2024 trocknete nach dem heißesten Sommer in der Messgeschichte von Linz beispielsweise der Haselbach auf fast einem Kilometer Länge aus, während das Sammelgerinne dank Biberdämmen (und BDAs) noch ausreichend aquatische Refugialhabitate bot. Flankiert wird die Förderung von Wasserrückhalt durch umfangreiche Begleitmaßnahmen: Mensch-Tier-Konfliktprävention, die Errichtung von Trittsteinbiotopen, der Bau einer Trockensteinmauer und anderer Kleinhabitate für die unzähligen vom Aussterben bedrohten Arten vor Ort, die Pflanzung und Förderung von standortgerechter Vegetation, Neophytenbekämpfung und extensive Mahd sowie umfassende Bewusstseinsbildung und das Einbeziehen von Anrainer*innen.

Die Maßnahmen werden hinsichtlich der Temperaturentwicklung der Gewässer sowie ihrer Auswirkungen auf Biodiversität (insbesondere die Fischfauna, Durchwanderbarkeit und Refugialhabitate, aber auch die Libellenfauna) laufend evaluiert und verbessert und sollen ermöglichen, diese naturbasierten Lösungen zukünftig schnell und kosteneffizient als Akutmaßnahme im gesamten Stadtgebiet (und darüber hinaus) einsetzen zu können.


Das Projekt wird in einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Beaver Lab und dem Büro blattfisch e.U. durchgeführt. Weitere Kooperationspartner*innen sind Hedda Malicky vom „Wiesennetz Univiertel“ sowie:

GB Stadtgrün und Straßenbetreuung – Abteilung Botanischer Garten & Naturkundliche Station (Mag. Gudrun Fuss)
GB Gebäudemanagement und Tiefbau – Abteilung Straßen-, Brücken- und Wasserbau (Dipl. Ing. Georgios Kyriazis)
GB Planung, Technik & Umwelt – Abteilung Wasserwirtschaft (DI Bruno Holub, BSc)

Weiter unten finden sich laufend Updates und Fotos.
Wir freuen uns über Fragen, Beobachtungen oder eure Mithilfe: 
beaverlab@servus.at